Jahresberichte

Der Jahresbericht zieht Bilanz über die Tätigkeit. Er berichtet über Sorgen und Überlegungen des Komitees und der Direktion unseres Vereins, schildert die Alltagssituation im Zentrum und in der Wohnung und enthält Statistiken und Budgetzahlen die Finanzen betreffend.

Die Botschaft des Präsidenten

La Tuile feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Sie werden in diesem Bericht die Erfahrungen von Personen entdecken, die zur Gründung und Entwicklung unseres Vereins beigetragen haben. Für mich wird es nun Zeit, Ihnen allen einen herzlichen Abschiedsgruss zu senden!

Als ich mit 60 Jahren über meine Aktivitäten als zukünftiger Rentner sprach, sah ich mich als Strassenkehrer bei La Tuile!

Doch man verlässt seine Komfortzone nicht so leicht, würde einer unserer Coachs – kein Geringerer als Michel Simonet – sagen. Kurzum: Ich bin nun seit fast 20 Jahren Präsident des Vorstands von La Tuile, obwohl ich mein Leben lang über die alten Knacker geschimpft habe, die noch lange in verschiedenen Vereinen und Stiftungen tätig sind!

Ich wusste, dass La Tuile ein besonderes Unternehmen und nicht nur eine Notschlafstelle war, aber ich hatte keine Ahnung, was für ein Unternehmen ich entdecken würde.

Da ich eine Ausbildung in institutioneller Pädagogik absolviert hatte, konnte ich nicht im geringsten ahnen, dass ich ein Unternehmen antreffen würde, das quasi ein Modell dieser Philosophie ist. Ein Unternehmen, bei dem es nicht um Management geht, sondern um Selbstanalyse, um die kollektiven und individuellen Funktionsweisen ständig zu hinterfragen.

Ein Unternehmen, dessen gesamte Kultur ständig darauf ausgerichtet ist, durch kollektive Intelligenz Lösungen mit und für seine Nutzerinnen und Nutzer zu finden.

Ein ständig kreatives Unternehmen – sowohl in Bezug auf seine Aktivitäten als auch auf seine Finanzierung, die nicht nur aus staatlichen Mitteln bestehen darf, wenn es seine Freiheit bewahren will.

Ein Unternehmen, das bei all seinen Tätigkeiten die Vision und den Willen hat, mit den menschlichen Leistungen und den finanziellen Ergebnissen eine Gesellschaft zu bilden.

Ein Unternehmen, das aus Respekt vor seinen Nutzern hohe Ansprüche an die Ausbildung seiner Akteure stellt und ihnen gleichzeitig durch die institutionellen Erfahrungen formell wie auch informell die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt.

Aber Vorstandsmitglied eines solchen Hauses und erst recht dessen Präsident zu sein, ist eine herausfordernde Aufgabe! Der Inhaber des Amtes muss Lernfähigkeit beweisen.

Im Wesentlichen geht es darum, die Rollen der Exekutive und der operativen Ebene klar zu unterscheiden. Und was wäre dafür besser geeignet als die eigene Analyse der  Funktionsweise und die Abwägung der Erwartungen?

Es berührt mich, ein letztes Mal meine tiefe Dankbarkeit gegenüber den Teams von La Tuile zum Ausdruck zu bringen, die in den 30 Jahren ihrer Tätigkeit beträchtliche und manchmal aufreibende Herausforderungen gemeistert haben. Mein Dank gilt auch der Gesundheitsdirektion, die unsere Arbeit stets unterstützt hat, sowie der LORO, die Jahr für Jahr mit regelmässigen Subventionen präsent war und unsere innovativen Projekte immer verstanden und unterstützt hat. Ein grosses Dankeschön geht auch an unsere individuellen und institutionellen Spender, die unsere Tätigkeit ermöglichen und uns den Anstoss und die Motivation geben, weiterzumachen. Und schliesslich ein herzliches Dankeschön an unseren Vorstand, der durch seine Fragen, Anregungen und Entscheidungen das Weiterdenken und Vorwärtsgehen ermöglicht.

Zum Schluss danke ich La Tuile dafür, dass sie ist, was sie ist, und danke für die Ehre, dass ich so lange Präsident ihres Vorstands sein durfte.

Jean-Claude Jaquet

Präsident des Vorstands