Jahresberichte

Der Jahresbericht zieht Bilanz über die Tätigkeit. Er berichtet über Sorgen und Überlegungen des Komitees und der Direktion unseres Vereins, schildert die Alltagssituation im Zentrum und in der Wohnung und enthält Statistiken und Budgetzahlen die Finanzen betreffend.

Die Botschaft des Präsidenten

Und was machen wir nun? Ein Unglück kommt selten allein!

Ein weiteres Mal erreichen die Statistiken von La Tuile für das Jahr 2012 Höhepunkte und zwar was einerseits die Anzahl der aufgenommenen NutzerInnen als auch die der Übernachtungen betrifft. Diese Zunahme ist durch die vorrangigen NutzerInnen – wie wir in unserem Jargon sagen – zu erklären, d.h. Leute aus unserem direkten Umkreis, dem Freiburger Kanton, die aus allen Gesellschaftsschichten kommen(gemäß eigener Statistik).

Wenn wir bis vor kurzem für den stetigen Anstieg der Übernachtungen konjunkturelle Gründe anführen konnten, so ist es offensichtlich, dass diese nun strukturelle geworden sind. Die Prekarität ist nicht allein ein vereinzeltes Zusammenspiel von unglücklichen Zufällen des Lebens oder einer psychosozialen Potentialität. Diese Gründe bestehenweiterhin, sie werden jedoch von denen übertroffen, viel bedenklicher und gefährlicher, deren Wurzeln in den neuen Strukturen der Gesellschaft zu suchen sind. Diese sind manchmal – leider – wissentlich geschaffen oder das Ergebnis des Neoliberalismus’, den wir nicht beherrschen oder meistern.

Diese Feststellung ist beunruhigend, denn das heißt, dass die Prekarität exponentiell zunimmt, und auch weiterhin eine steil ansteigende Kurve aufzeigt. Konkret heißt das für La Tuile, dass unsere Organisation sich dem Problem gegenüber sieht, eine ständig anwachsende Anzahl Personen aufzunehmen, die darauf angewiesen sind, unsere Notschlafstelle zu nutzen, da sie keine andere Lösung für sich sehen. Wenn wir bisher hin und wieder Engpässe zu meistern hatten, wenn z. B. die Anzahl aufzunehmender Personen unsere Beherbergungskapazitäten überstieg, so sehen wir uns heute dem Problem gegenüber, dass wir ständig unsere Strukturen mit oft mehr als 120% überbeanspruchen müssen. Dies stellt natürlich Probleme der Menschenwürde und Sicherheit in unserem Haus.

Anstatt um jeden Preis die Anzahl der Betten zu erhöhen, was uns zumindest eine Atempause bieten würde oder einen Moment der Entspannung, so setzte sich von jeher das Komitee von La Tuile für eine Notschlafstelle mit einer minimalen Anzahl Betten ein zu Gunsten von Prävention und Wiedereingliederung. 2012 hat dieses Vorgehen hervorragende Ergebnisse gezeigt und zwar qualitativ als auch quantitativ (siehe Statistik 2012).

Ohne dieses Vorgehen müsste man die Aufnahmekapazität von La Tuile im Laufe der Jahre verdreifachen mit den damit verbundenen, zu erwartenden ansteigenden Kosten.

Aber bewären sich unsere Politik und Sichtweise auch in Zukunft?

Wir wünschen es sehr, denn wir sind überzeugt, dass es der richtige Weg ist. Diese Rehabilitation wird durch verschiedene Arten von begleitendem Wohnen gefördert. Sie entspricht dem Grundbedürfnis der Menschen und erlaubt ihnen, ihre Selbstverwirklichung zu erreichen. Sie bewahrt Leben mit seiner Wertschöpfung im Menschlichen, Humanitären und auch im Volkswirtschaftlichen.

Bisher finanzieren wir uns selber. Um unsere gesteckten Ziele zu erreichen, aktivieren wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel zur Rehabilitation und schaffen mit viel Kreativität neue, im Rahmen des für uns Möglichen. Mögen uns die Ereignisse uns in unserer Sichtweise bestärken und unseren Entscheidungen Recht geben.

Zum Schluss bleibt noch, unseren Dank auszusprechen allen denjenigen, die ihr Vertrauen in uns gesetzt haben und uns dadurch erlauben zu existieren und unsere Aufgaben fortzusetzen.

  • Allen unseren Mitarbeitenden, Angestellte oder Ehrenamtliche. Danke für ihren Einsatz, ihre Begeisterung und ihre Treue sowie ihre Identifikation mit der Kultur unserer Organisation
  • Unseren Geldgebern, Einzelpersonen oder Kollektive, die uns durch ihre Spenden, auch durch Vermächtnisse, die Freiheit geben, unserer Kreativität und unserem Engagement Raum zu bieten
  • Der Loro, die regelmässig unser Budget ergänzt und auch neue Projekte unterstützt
  • Dem Departement für Gesundheit und Soziales, das La Tuile seit seiner Gründung und speziell seit 10 Jahren die Notschlafstelle durch einen Leistungsauftrag unterstützt
  • Und dem Vorstand, stets rasch und weitsichtig in seinen Entscheidungen.

Jean-Claude Jaquet

Präsident des Vorstands