Institutionelles Konzept

Ein Dokument für Fachkundige

Heutzutage braucht die Notwendigkeit einer Notschlafstelle nicht mehr  bewiesen werden. In Freiburg registrierte die “Tuile” während ihres zwanzigjährigen Bestehens fast 90’000 Übernachtungen. Das Zentrum wird im Durchschnitt jährlich von über 300 Personen genutzt. Seit der Eröffnung  haben mehrere Tausend Personen Nothilfleistungen der “Tuile” in Anspruch genommen.

Die “Tuile”, als Notschlafstelle,  st bei der Freiburger Gesellschaft gut bekannt.  Die Bevölkerung, das Netz der Professionnellen, sowie die Behörden kennen  sie. Jedoch ist die Aufnahme heute nicht mehr das einzige Angebot des Vereins.

Die Reflexionen der letzten Jahre,  innerhalb des Teams sowie des Vorstandes, erlaubten es, die Frage, welche Rolle, welche dieses Angebot innerhalb der sozio-medizinischen Gesamtstruktur unseres Kantons spielt, zu verfeinern.

Eine moderne Notschlafstelle kann sich nicht mehr mit der blossen Arbeit der Notaufnahme zufrieden geben.

Die Erfahrung unserer letzten 20 Jahre zeigte folgende Hauptausrichtungen:

  1. die unverzichtbare Eigenschaft eines Angebotes, das auf Grundbedürfnisse eingeht, und eine generalisierbare Form, die sich auf humanistische Grundwerte abstützt und für welche die zwischenmenschliche Beziehung im Vordergrund steht.
  2. die Tatsache, de man diese Nothilfe, die man als schmerzlindernd beschreibend könnte – und im Prinzip durch die Verfassung garantiert ist –  kein Selbstzweck ist, sondern eher ein Angebot, das die Organisation einer Hilfe zur Wiedereingliederung erlaubt.

Die gewählte Arbeitsweise beinhaltet sowohl präventive Massnahmen als auch die Nachsorge und ermöglicht es unserem Verein bei seiner Vermittlung von Wohnraum, das Volumen seines Übernachtungsangebotes zu kontrollieren. So kann er vermeiden, dass er nur blosser Zeuge der Entwicklung seiner Statistiken ist.

Die soeben beschriebene Strategie trägt auch dazu bei, dass die Betroffen weniger dazu tendieren, sich mit ihrer Notlage abzufinden und zu resignieren. Sie soll einen Ehrgeiz begünstigen, der sich im  Rahmen hält und im Bedürfnis der NutzerInnen nach Veränderung gründet.

Die Prinzipien haben sich seit der Ausarbeitung des Konzepts von 1999 so stark verändert, dass es uns angebracht schien, letzteres heute einer tiefergehenden Reflexion zu unterziehen. Das Angebot der Tuile blieb seither unverändert, lediglich ergänzt.

Parallel dazu war es dem Verein ein Anliegen, seine eigene Rolle in der Zivilgesellschaft reflektieren.

Die zehn Jahre, die seit dem ersten Konzept vergangen sind, bestätigen die Beständigkeit der Werte, die unsere Arbeit prägen und konkretisieren auch die Idee eines authentischen kantonalen Systems des Wohnens für Personen in Notlagen, das veränderbar, effizient sowie vollumfänglich in die Gesellschaft integriert ist, der sie angehört.

Institutionelles Konzept

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